Lockdown – und jetzt?

Wer hätte gedacht, dass wir nach 20 Monaten wieder am Anfang stehen. Wer hätte gedacht, dass dieses Virus unser Leben noch immer so fest im Griff hat und unseren Alltag bestimmt. Überhaupt nach diesem Sommer, wo viele bereits davon überzeugt davon waren, dass wir das schlimmste bereits überstanden hätten.

Aber es ist, wie es ist. Die Zahlen sind gestiegen und sie steigen noch weiter. Und aus der Vergangenheit wissen wir, was dies für unsere Krankenhäuser und die Intensivbetten bedeutet. Nun, da ich bereits wieder ein Jahr, neben der Trickbox als Krankenpfelger unterwegs bin, habe ich auch erfahren, was dies alles für die sogenannten vulnerablen Gruppen bedeutet. Also die Menschen, die besonders verwundbar und auf den Schutz von uns, der Gesellschaft angewiesen sind. Dazu kommen Zauberfreunde, die es in der Vergangenheit, oder auch gerade aktuell erwischt hat. Und auch mich selbst und meine Familie hat der Virus heimgesucht. Aber jeder wird wohl seine eigenen Erfahrungen damit gemacht haben. Und ich glaube, wenn sich alle in einem Punkt einig sind, ist das die Tatsache, dass sich hier jeder das Selbe wünscht. Das letzte Kapitel dieser Geschichte.

Was nun kommt, bedeutet wieder viele Einschnitte in unser Leben. Je nach Beruf und privaten Interessen, treffen uns diese mit unterschiedlicher Wucht. Aber eines ist sicher, sie treffen uns alle. Gerade für die Zauberkunst ist dies wiedermal besonders bitter. Schon wieder platzen den Profis die Weihnachtsshows weg wie die Seifenblasen. Wieder wird es auf längere Zeit keinerlei Zusammenkünfte von Zauberfreunden geben. Zauberei, eine Kunstform die von direkter Interaktion lebt, kann eben nur zu seinem kleinen Teil doch digitale Möglichkeiten ersetzt werden.

Nun ist es aber so wie es ist. Am Lockdown führt kein Weg vorbei. Und auch die Impfpflicht, ist eine beschlossene Sache, bei der ich weiß, dass sie einige Zauberfreunde direkt trifft. Habe ich natürlich, so wie jeder meine ganz persönliche Meinung dazu, möchte ich sie an dieser Stelle nicht diskutieren. Und ich bitte auch in den Kommentaren gegebenenfalls davon Abstand zu nehmen. Ich verstehe, dass sich bei vielen wahrscheinlich viele negative Emotionen gestaut haben. Wut, Ärger, Frustration und so einiges mehr. Und ihr werdet vielleicht so einige kennen, die momentan an einen emotionalen Druckkochtopf erinnern. Man hört es in Gesprächen, sieht es in den Medien, man liest es im Internet. Mit Sicherheit, wird es die nächsten Wochen, Monate, ja wahrscheinlich sogar Jahre noch viel Diskussion über das Geschehene geben. Aber tatsächlich glaube ich, dass jetzt nicht die richtige Zeit dafür ist.

Ich konnte einmal Vito Lupo bei einem Seminar erleben. Unter anderem sprach er über Rituale, die viele Profis kurz vor einem Auftritt haben. Er hat jedem empfohlen sich so eines zuzulegen. Warum? Um Lampenfieber zu kanalisieren. Er beschreibt Lampenfieber als etwas positives. Als Energie, vor der man keine Angst haben sollte. Viel besser ist es sie zu für seine Shows zu nutzen. Und das ist es, was wir in Wahrheit auch pausenlos tun, wenn wir auftreten.

Unsere Kunst dient dazu, Menschen zu unterhalten. Ob wir sie nun verblüffen, zum lachen bringen, oder auf eine andere Art emotional berühren. Wenn es gut läuft, schaffen wir besondere Erinnerungen. Erinnerungen, von denen Menschen noch Jahre, oder gar Jahrzehnte erzählen. Wie weiter oben bereits erwähnt, es gibt wohl kaum eine Kunstform, die so interaktiv ist wie die Zauberei. Somit auch keine, die dermaßen auf einem sozialen miteinander aufbaut. Und können wir momentan nicht mit unseren Kunststücken die Welt ein wenig verschönern, wer wenn nicht wir wäre besser geeignet, es auf andere Weise zu tun. Wer, wenn nicht wir, kann besser diese ganze aufgestaute Energie wie ein Schwamm aufzusaugen und etwas positives, ja vielleicht sogar wirklich magisches daraus zu machen.

Tatsächlich hat der Schutz vor Ansteckung über die Monate abgenommen, was unsere Alten und chronisch Kranken wieder besonders verwundbar macht, bis sie die Möglichkeit einer Auffrischungs-Impfung nutzen können. Und wieder sind viele alleine und auf Hilfe angewiesen. Jetzt ist die Zeit, genau dies zu tun. Es sind die Familienangehörigen, Freunde und Nachbarn, die unsere Energie jetzt brauchen. Ob ein alltäglicher Einkauf, der Weg zur Apotheke, oder auch ein Gespräch durch die Fensterscheibe oder via Telefon. Es ist die Zeit, nicht mit Kartentricks zu verblüffen, sondern mit ganz anderen Dingen. Mit Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Tun wir das, was wir am besten können. Schaffen wir bleibende Erinnerungen. Nicht nur für diejenigen, für die wir jetzt da sein können. Auch für uns selbst!

Denn irgendwann wird das alles hier vorbei sein. Und wir können jetzt bestimmen, was in Zukunft unsere Erinnerungen diese Tage sein wird. Möchten wir uns daran erinnern, wie wir verbittert auf dem Sofa gesessen sind? Oder gar wütende Postings im Internet von uns geschrieben wurden? Oder doch lieber an eine Zeit, in der wir die Situation so annahmen, wie sie nun mal war und unsere Energie für etwas Positives kanalisiert haben?

Wir kennen das, Gefühl, wenn wir ein neues, schwieriges Kunststück einstudiert haben und es das erste mal vor Publikum zeigen. Die Nervosität, die zittrigen, vielleicht sogar schwitzigen Hände. Der hohe Blutdruck, der einem fast die Luft beim Atmen nimmt. Oder vielleicht auch der trockene Mund, der einem das sprechen kaum Möglich macht. Jeder wird so seine ganz eigenen Erfahrungen mit solchen Situationen haben. Die Frage ist, warum tun wir uns das an? Weil es da noch etwas anderes gibt. Etwas, das unser Adrenalin in die Höhe schießen lässt und uns antreibt. Hoffnung! Die Hoffnung, dass sich unsere Mühen ausgezahlt haben und wir einen wundervollen Moment schaffen. Für uns, genauso wie für unser Publikum. Ich denke, die gleiche Art von Hoffnung sollte uns nun ebenfalls antreiben. Die Hoffnung, dass diese ganze Geschichte ein Ablaufdatum hat. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber doch in einer nahen Zukunft. Der Tag, an dem wir uns vor uns selbst verbeugen und wieder zu neuen Kunststücken übergehen können, so wir das von früher kennen.

Vielen uns gefällt die aktuelle der Brücke der Maßnahmen nicht. Viele von uns, hätten sich bereits in der Vergangenheit andere gewünscht. Aber es ist nun mal die einzige stabile Brücke, die aufgebaut wurde um uns über den vor uns liegenden Abgrund zu tragen. Stoßen wir uns nicht runter, sondern helfen wir uns gemeinsam darüber.

Keep calm and perform Magic!

Bleibt gesund!

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