Die allererste Zaubershow
Bei meinen Auftritten in der Magic World, werde ich immer wieder von Lucca anmoderiert. Er stellt oft dabei eine spannende Frage gleich zu Beginn ans Publikum: “Für wen von euch ist das die allererste Zaubershow?“.
Sie ist deswegen so spannend, weil danach immer viele Hände in die Höhe gehen. Ein Fakt, über den man als Kinderzauberer oft gar nicht nachdenkt ist: Man ist für viele der erste Zauberer den sie jemals sehen! Die Idee was so ein Zauberer macht, bzw. was eine Zaubershow eigentlich ist wird genau hier geboren. Am Ende des Tages leistet man sogar einen oft gar nicht so kleinen Beitrag, wenn es darum geht ob den neuen Zusehern Zauberei überhaupt gefällt oder nicht. Der erste Eindruck zählt ja bekanntlich besonders. 😉
Diese Erkenntnis finde ich wiederum insofern spannend, da dies ja auch einiges an Verantwortung bedeutet. Das mag im ersten Moment ein wenig überzogen wirken, ich denke aber, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wir unterschätzen unsere Wirkungen hier tendenziell eher.
Im Zauberladen gibt es ja so einige Produkte, für speziell für Kinderzauberei verkauft werden. Bunt, spaßig dekoriert und mit lustige Vorführideen. All diese Dinge folgen einen immer wiederkehrenden Muster. Kein Wunder, es hat sich ja oft bewährt. Die Kinder lachen, schreien und jubeln über den tollpatschigen Zauberer, dem ein Mussgeschick nach dem anderen geschehen zu scheint. Gute Kinderunterhaltung! Oder?
Jein, würde ich sagen. Ich selbst komme ja auch aus der Clownerie, weshalb von Beginn weg auch meine Kindershows nach diesem Prinzip aufgebaut waren. Je mehr gelacht wird, umso besser war die Show. Es ging nie darum ein “guter”, sondern viel mehr darum ein lustiger Zauberer zu sein!
Aber ist das wirklich der einzige Weg? Müssen bei Kindern immer Comedy-Elemente im Vordergrund stehen, oder ist es auch möglich sie tatsächlich mit magischen Effekten zu verblüffen? Ich bin mittlerweile überzeugt, dass es möglich ist. Und je mehr ich in diese Richtung experimentiere, umso mehr verstärkt sich diese Überzeugung.
Und dabei meine ich natürlich nicht, das man komplett auf Comedy verzichten soll. Natürlich darf es auch mal lustig sein, so wie das in Shows für Erwachsene der Fall ist. Um was es mir vielmehr geht, ist der eigentliche magische Moment, der mir oft in Kindershows zu kurz kommt. Überlege mal, welch großartige , verblüffende Dinge wir so manch Zaubershows sehen und wie wenig vergleichbares wird davon bei Kindervorführungen finden.
Ein Beispiel, wie magisch es werden kann findest du zum Beispiel hier, auf einer alten Aufnahme von Lance Burton…
Ja ich weiß, kaum jemand von uns hat wohl ein Huhn zuhause um das jetzt zu machen. Aber darum geht es mir auch nicht. Was mich dabei viel mehr interessiert ist die Wirkung, die so eine professionelle Routine auf die Kinder hat. Hier wird ein unglaubliches Erlebnis für die Kinder und auch für alle anderen Zuseher geschaffen!
Man kann davon ausgehen, dass dies die erste Zaubershow war, welche die beiden jemals gesehen haben. So wie für so einige andere, die da im Publikum gesessen sind. Für sie ist Zauberkunst mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nun zu etwas ganz besonderen geworden. Sie werden sich möglicherweise ihr ganzes Leben genau daran erinnern. Und die Chance ist gut, dass sie irgendwann auch mal selbst in Zaubershows gehen werden, oder sogar einen Zauberer buchen.
Etwas, das übrigens gar nicht so unüblich ist sind Kinder die in Shows sitzen, die eigentlich keine typischen Kindershows sind. Schau nur, wie viele im Volksschulalter zu den Ehrlich Brothers pilgern. Aber auch in der Magic World sitzen laufend Kinder mit dabei. Genauso wie bei allen andern Zaubershows. Und wenn man danach mit ihnen spricht erzählen sie mit Begeisterung, von den tollen Erinnerungen, die sie aus diesen mitgenommen haben.
Zusammengefasst, man kann Kinder hier ruhig mehr zutrauen als wir es wahrscheinlich oft machen. Es darf auch mal spannend und richtig verblüffend sein. Und nein, man muss dafür auch nicht gleich sein ganzes bisheriges Kinderprogramm umstellen. Alleine schon ein wenig den Zugang zu ändern, zu dem was man da eigentlich für die Kinder macht kann schon zu erstaunlichen Ergebnissen führen!
Wir wäre es, wenn beim Zaubermalbuch die Bilder magisch Schritt für Schritt entstehen? Kein: “Hoppla, wo sind die Bilder hin?“, sondern weiße Seiten, auf denen nach und nach mit Magie etwas erscheint? Oder wie wäre es wenn man unsichtbaren Orangensaft regnen lassen könnte? Dieser wird dann mit einem (Comedy-)Trichter aufgefangen und dabei in eine Flasche gefüllt. Wie wäre es eine Crystal Tube mal nicht wie Silly Billy vorzuführen, sondern elegant, mit magischer Musik im Hintergrund? Die Kinder sollen sich vorstellen wie sich die Tücher nach und nach verknoten, es wird durchgepustet und… Voilà!
Ich für mich mache immer mehr die Erfahrung, dass es sich richtig auszahlen kann im Kinderprogramm auf Gags zugunsten von magischen Momenten zu verzichten. Aussagen der Kinder wie: “Wow, der kann ja wirklich zaubern!” werden mehr und gelegentlich höre ich auch davon, wie sie viele Tage später noch davon erzählen. Und als schöner Nebeneffekt geben mir Erwachsene immer häufiger das Feedback, dass sie nicht damit gerechnet hätten, dass es auch für sie so verblüffend wird. Das hört man doch gern, oder? 😉
