Dies & Das

Spielkarten – Ein Blick in die Vergangenheit

“Welche Spielkarten sind die besten?” – diese Frage bekomme ich häufig von Menschen gestellt, die zum ersten mal in den Zauberladen kommen. Die Erwartungshaltung ist oft, dass sich mit vermeintlich besseren Karten, ja auch die zauberischen Fähigkeiten verbessern müssten. Aber ist das wirklich so?

Nun, um das zu beantworten muss man zwei Dinge unterscheiden. Zum einen kennen wir die Karten aus dem Billigshop. Sie lassen sich wesentlich mühsamer auffächern. Und bei so manch Griffen, kommen selbst erfahrene Kartenzauberer mit ihnen wahrscheinlich recht bald an die Grenze des machbaren. Somit ja, es gibt Qualitätsunterschiede bei Karten. Und ja, das kann sich auch beim Zaubern bemerkbar machen. Und jetzt gibt es eben noch die Unterschiede bei hochwertigen Spielkarten.

Trotzdem sind viele immer wieder verblüfft, wenn ich ihnen simple Bicycle Karten empfehle. Der Hintergrund ist leicht erklärt. Es gibt hier eigentlich nur drei Punkte auf die schaue.

Zum einen der Preis. Karten sind Verbrauchsmaterial aus Karton, das ich immer wieder austauschen muss. Wer regelmäßig zaubert überlegt sich schnell ob der dafür 50% mehr, 100% mehr, oder sogar noch ein vielfaches dafür zahlt. Mögen die Kanten von manch Karten ein wenig besser geschnitten, die Kartonschichten ein wenig feiner, oder auch das Finish einen Hauch angenehmer sein, diese vermeintliche Qualitätssteigerung ist für die meisten eher unverhältnismäßig zur Preissteigerung. Vor allem bei Anfängern.

Der zweite Punkt sind Gimmicks. Für alle, die sich hier nicht gleich von Beginn weg eine Unmenge an Möglichkeiten nehmen wollen, machen die Karten Sinn, wo es am meisten passende Gaff Cards und andere Gimmicks gibt. Das sind klar Bicycle Karten.

Der dritte Punkt ist das Design. In der Regel möchte ich nicht, dass Zuseher denken, dass es sich um “Zauberkarten” handelt. Je unauffälliger sie gestaltet sind, umso besser. Vor allem bei den Vorderseiten gibt es oft das Problem, dass bei manchen Spielen zwar viel Kreativität reingesteckt wurde, aber die Erkennbarkeit darunter leidet. Und das passiert schnell! Denn selbst wenn zum Beispiel  nur das rot ein wenig dunkler als üblich ist, hat sich gezeigt, dass es bei manch Zusehern zu Schwierigkeiten führen kann.

Zu letzten Punkt gibt es natürlich auch immer wieder Ausnahmen. Manche Designs passen einfach perfekt zu einer Geschichte. Auch gibt es Künstler, die ein durchgehendes Farbdesign in ihrem Outfit & in ihren Requisiten haben. Aber all dies ist eigentlich nicht der Regelfall.

Es dominieren auch Bicycle Karten noch immer die professionellen Zaubershows. Was zeigt, dass die Qualität reicht, um damit professionell arbeiten zu können.

Ein Blick in die Vergangenheit

Etwas, das ich gerne mal nebenbei erwähne, wenn ich über Spielkarten im Laden spreche, ist die Vergangenheit. Wenn man daran denkt, wie viele Techniken bereits in Zeiten von Hofzinser bekannt waren, oder sogar zum Teil direkt auf ihn zurückgehen und was für Karten er damals zur Verfügung hatte! Auf diesen Aspekt möchte ich in diesem Artikel ein wenig genauer eingehen.

Dieses Thema ist noch viel spannender, als man am Anfang vermuten würde. Denn Wien, vor etwa 150 Jahren war eine Hochburg der Spielkarten! Das Museum Wien spricht von unglaublichen 200 Spielkartenmanufakturen in Wien! Und diese Karten unterschieden sich deutlich von den was wir heute so kennen.

Es gab noch keine moderne, industriell hochpräzise Spielkartenpappe. Die Karten bestanden aus mehreren Papierlagen.
Um die notwendige Festigkeit zu erreichen, wurden einzelne Papierschichten miteinander verleimt. Die Fabrikation war natürlich nicht so standardisiert wie heute, wodurch es große unterschiede zwischen den Produkten gegeben hat. Die Karten dürften im allgemeinen aber steifer, weniger elastisch, weniger glatt und vor allem weniger gleichmäßig gewesen sein.

Zudem war die Herstellung der Karten zu damaliger Zeit viel Handarbeit! Bei Piatnik wurden zum Beispiel zunächst die schwarzen Konturen gedruckt. Anschließend wurden die Kartenbögen mithilfe von Schablonen von Hand koloriert. Jede Karte ein Unikat, wenn man so möchte.

Auch die Ecken waren nicht wie heute abgerundet. Die Karten wurden zunächst mit Spezialscheren geschnitten. Die damalige Fertigung erlaubte die heute selbstverständlichen gleichmäßig abgerundeten Ecken noch nicht. Hofzinser arbeitete daher zumindest während eines erheblichen Teils seiner Karriere mit eher rechteckigen Karten mit deutlich spitzeren Ecken.

Karten verschmutzten zudem schnell. Dass dies ein ernsthaftes Alltagsproblem war, zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Ferdinand Piatnik erhielt 1861 ein Privileg für einen Lacküberzug, durch den gewöhnliche Spielkarten mit Wasser gereinigt werden konnten. Später existierten in Wien sogar gewerbliche Kartenreinigungsanstalten. Hofzinser hatte aber wohl lange Zeit Spielkarten ohne jeglichen Finish in der Hand.

Ein heutiger Kartenzauberer nimmt ein industriell gefertigtes Spiel aus beschichtetem Kartenkarton. Die 52 Karten sind extrem gleichmäßig gestanzt, haben identische abgerundete Ecken, gleiten gut gegeneinander und sind vergleichsweise elastisch. So einige Techniken profitieren natürlich enorm davon.

Hofzinser arbeitete dagegen mit einem Produkt, das noch wesentlich näher an einem handwerklich hergestellten Gebrauchsgegenstand aus Papier lag. Und trotzdem entwickelte er damit Kartenkunststücke und Prinzipien, auf denen die moderne Kartenmagie bis heute aufbaut. Spread Cull, Bottom Palm, Transfer Palm, Spread Cull Force, oder auch Mehrkarten-Palmierungen, um nur ein paar Dinge zu erwähnen, die wir von Hofzinser kennen. 

Cardistry avant la lettre

Hofzinser beschäftigte sich offenbar auch mit kunstvollen Kartenfiguren und Flourishes. Überliefert sind unter anderem Figuren, die in der englischsprachigen Literatur als Rosette, Little Wheel, Great Wheel, Bridge, Waterfall, Half-Wheel und Necklace bezeichnet werden. Das kennen wir doch, oder? 😉 

Auch wenn man es kaum glauben mag, mit den klobigen, steifen Karten wie damals wurden bereits die Grundsteine für Cardistry gelegt!

Conclusio

Tatsächlich lässt sich wohl mit allen Karten da draußen Zaubern. Und vieles hat einfach auch damit zu tun, was man gewohnt ist. Ich selbst habe beim Zaubern immer wieder gerne Piatnik-Karten in der Hand. Da sie von den Menschen hier in Österreich gekannt werden, kann das durchaus auch mal ein Vorteil sein! Ich kann mich an eine Table-Hopping Show erinnern, bei eine Dame frei eine Karte nenne sollte. Sie sagte sofort “Karo Dame!” und hat mir dann erzählt, dass sie sich noch erinnern konnte, wie sehr ihr als Kind die Haare eben dieser Damen gefallen haben.

Im Laden habe ich mit den Bicycle Karten günstige Päckchen für euch, mit denen auch in der jüngsten Vergangenheit Preise bei Weltmeisterschaften erzielt wurden. Und natürlich auch die passenden Gimmicks und Literatur dazu. 😉

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